Ulrich & Nicole
Kormann

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achtsam atmen PDF Drucken E-Mail

 

Es ist und bleibt ein Glück,
vielleicht das Höchste,
frei atmen zu können.
(Theodor Fontane)

Eine der schönsten Beschreibungen der Atem-Meditation stammt von Stephen und Ondrea Levine in ihrem Buch In Liebe umarmen - der spirituelle Wegweiser für Liebende. Diese Anleitung zitieren wir hier:


Richte deine Aufmerksamkeit auf diesen Körper, in dem du sitzt. Führe das Gewahrsein auf die Ebene körperlicher
Empfindung. Fühle, wie dieser Körper vor Empfindung vibriert. Einzelne Empfindungen stehen im Vordergrund. Da ist das Gefühl der Schwerkraft, die den Körper nach unten zieht, das Druckgefühl im Gesäss oder das Gefühl der Füsse, die zu Boden gezogen werden. Druck. Empfindung.

Den Atem spürt man im Körper. Die Brust dehnt sich bei jedem Einatmen aus – Empfindungen entstehen. Und bei jedem Ausatmen zieht sich die Brust zusammen.

Empfindungen steigen auf. Auch im Bauch – jeder Atemzug weitet und verengt ihn wieder. Mit jedem Einatmen hebt sich der Bauch. Empfindungen des Streckens oder Sich-Füllens. Mit jedem Ausatmen senkt sich der Bauch. Empfindungen des Sich-Leerens oder Loslassens. Der Bauch hebt und senkt sich. Empfindungen des Atems im Körper.

Jeder Atemzug ist voller Empfindungen. Von Moment zu Moment verändert sich ihr Strom, der jedes Einatmen, jedes Ausatmen begleitet. Das Gewahrsein zentriert sich im Bauch und erfährt Augenblick für Augenblick die Empfindung jedes einzelnen Atemzuges. Konstantes Gewahrsein, konstante Empfindungen im Bauch – während er sich füllt und während er sich leert.

Achtsames Atmen. Achtsames Atmen. Wenn der Geist von der Empfindung abschweift, dann führe ihn sanft zurück zur konstanten Ausbreitung des Empfindens – in jedem Einatmen, in jedem Ausatmen.




Entspanne den Bauch, um den Atem vollständig wahrzunehmen. Kontrolliere den Atem nicht. Erlebe ihn einfach als Empfindung im weichen Bauch. Entspanne den Bauch und erfahre in dieser Weichheit das Leben als Empfindung.

Wenn Gedanken erscheinen, dann lass sie kommen. Und lass sie gehen. Nur Seifenblasen, die in der Sanftheit schweben. Führe immer wieder das Gewahrsein zu den Empfindungen zurück, die jedes Einatmen, jedes Ausatmen begleiten.

Auch Erwartung kann den Bauch verhärten, kann den Gedanken und Empfindungen die Freiheit nehmen, einfach im Gewahrsein schweben zu können.

Angst. Stolz. Wut. Zweifel. Zustände des Geistes entstehen und vergehen in der unendlichen Sanftheit eines weiträumigen Gewahrseins. Kehre aufmerksam zu den Empfindungen zurück, die den Atem begleiten, und registriere einfach, was sonst erscheint – ohne es festzuhalten. Lass es kommen. Lass es gehen.

Lass los. Kehre immer wieder zu den Empfindungen zurück, die jeden Atemzug begleiten. Halte nichts fest. Sei nur der Atem, der sich selbst im weichen Bauche atmet. Löse dich von allem, was erscheint. Entspanne den Bauch, kehre zum Atem zurück.

Entspanne den Bauch. Kehre zum Atem zurück. Achte genau auf den Beginn jedes Einatmens. Achte auf die folgende Pause, auf den genauen Beginn jedes Ausatmens wie auch auf sein Ende.

Achte auf den Moment, wo der Atem zu ruhen scheint und wieder einzuströmen beginnt. Achte auf den Zeitpunkt, wo das Ausatmen endet und das Einatmen beginnt.

Gewahrsein und Empfindung verbinden sich von Moment zu Moment im weichen Bauch. Der Atem atmet sich selbst. Lass ihn kommen. Und lass ihn im Gewahrsein gehen.

Wenn die Aufmerksamkeit in Gedanken, Erinnerungen, Gefühle oder Träumereien abgleitet, dann beobachte ihr Kommen – und beobachte ihr Gehen. Kehre dann ohne die geringste Bewertung sanft zu den Empfindungen des Atems zurück.

Wenn der Geist abschweift, dann registriere einfach dieses Denken, Fühlen, Sich-Erinnern, welches das Gewahrsein von der Empfindung des Atems abgelenkt hat. Kehre zuerst zum weichen Bauch und dann zu den Empfindungen zurück, die bei jedem Einatmen, bei jedem Ausatmen entstehen.

Achte genau auf den Beginn, die Mitte und das Ende jedes Einatmens. Beachte die entstehende Pause. Registriere den Anfang, die Mitte und das Ende jedes Ausatmens. Empfindungen schweben im weichen Bauch.

Bleibe präsent. Sei nachsichtig, wenn der Geist schon nach zwei oder drei Atemzügen umherzuschweifen beginnt. Führe ihn zum Gewahrsein der Empfindungen im weichen Bauch zurück.

Langeweile, Erwartung, Phantasien – alles kommt und geht. Gefühle und Gedanken erscheinen unaufgefordert. Registriere einfach Bewegung, Veränderung. Und kehre zum Atem zurück.

Konstante Empfindung. Konstantes Gewahrsein. Das Einsetzen, die Mitte und das Ende jedes Einatmens, die entstehende Pause. Der Beginn, die Mitte und das Ende jedes Ausatmens – und der Moment, wenn sich der ausströmende Atem in den einströmenden Atem verwandelt. Äusserst präzise Aufmerksamkeit auf immer feinere Empfindungen, die mit den Atemzügen erscheinen.

Achtsames Atmen. Der Bauch hebt sich. Der Bauch senkt sich. Empfindungen erscheinen im klaren Gewahrsein. Der Atem atmet sich selbst im weichen Bauch.

Jeder Atemzug ist kostbar, ist erfüllt vom wechselnden Strom der Empfindung. Wenn der Geist abschweift, dann führe ihn zum weichen Bauch zurück und zentriere dich in den Empfindungen, die in diesem Bauch schweben. Konstante Empfindung – konstantes Gewahrsein.

Lass deine Aufmerksamkeit nun zum gesamten Körper zurückkehren. Dehne die Aufmerksamkeit aus, bis sie nicht nur den Bauch, sondern alle Empfindungen dieses Körpers umfasst, in dem du bist. Spüre das Atmen, das Sitzen, das Sein dieses ganzen Körpers, in dem du bist. Konstantes Gewahrsein des konstanten Seins im Körper. Der Atem kommt und geht, Empfindungen erscheinen ganz von selbst in klarem Gewahrsein.

Achtsamkeit ruht im Sein.

Öffne nun sanft die Augen. Achtsam gegenüber dem Sehen, dem Fühlen, dem Hören, dem Schmecken, dem Berühren, dem Denken. Achtsam gegenüber dem Sein.

Konstantes Gewahrsein. Konstante Lebendigkeit. Achtsames Sein. Achtsames Atmen.


Stephen und Ondrea Levine