Ulrich Kormann

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Die Dunkle Nacht PDF Drucken E-Mail


stiller suchender
in schreiender dunkler nacht
licht und leichtigkeit


Immer wieder begegnet mir in Gesprächen die Anschauung, das Erleben der Dunklen Nacht der Seele sei eine Krankheit (Depression) und gehöre nicht zum spirituellen Weg. Und immer wieder betone ich mit Nachdruck, dass dem nicht so sei, oder dass immerhin ich die Dunkle Nacht nicht als Krankheit definiere sondern viel mehr als ein Geschehen, das unabdingbar zum Leben, und erst recht zum spirituellen Leben, gehört.

Die Dunkle Nacht kommt in den verschiedensten Kontexten und in den unterschiedlichsten Kleidern daher und sie erscheint in Zyklen das ganze Leben begleitend auf dem Lebensweg. Ich wage zu behaupten, ein Leben, das die Dunkle Nacht nicht kennt, kann kein authentisches spirituelles Leben sein.

Daniel Ingram, ein buddhistischer Autor, den ich sehr schätze, bezeichnet die Stufen 5 bis 10, also die mittleren der insgesamt 16 (oder 17, je nach Methode) Einsichtsstufen der Achtsamkeits- (Vipassana-) Meditation, als die Dunkle Nacht. Jedes Wachstum, jeder Fortschritt auf dem spirituellen Weg geht unweigerlich auch immer wieder durch eine kürzere oder längere, eine intensive oder weniger intensive, Dunkle Nacht. Die Dunkle Nacht ist das erlebte Aufsichnehmen des Kreuzes, das Jesus für die Nachfolge fordert. Durch das Erleben der Dunklen Nacht formt sich immer wieder neu der Erlösungswunsch, welcher im Akt des Loslassens jeglichen Ich- und Mein-Anspruchs, in der Selbstverleugnung in den Worten Jesu, als Gleichmut (nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit) seinen Höhepunkt findet. Der Gleichmut schliesslich ist die Himmelsleiter oder das Sprungbrett zum Erwachen, wie buddhistische Autoren das Ziel definieren, oder zur Gotteswahrnehmung, wie es der christliche Theologe und Autor Jörg Zink genannt hat.

Es gibt sehr kleine bis riesengrosse Dunkle Nächte, schwache und starke, kurze und lang anhaltende. Es kann auch geschehen, dass ein Mensch ein ganzes Leben in der Dunklen Nacht verbringt, dass seine Lebensreise eine Wanderung durch das Tal der Todesschatten ist. Daniel Ingram bezeichnet einen solchen Menschen als Dunkle Nacht Yogi. Wer das Tagebuch von Mutter Theresa gelesen hat, weiss wovon ich spreche. Ihr Leben ist ein eindrückliches Beispiel für die Realität der Dunklen Nacht und für die Tatsache, dass die Dunkle Nacht klar Teil des spirituellen Weges ist und nicht etwa ein Abfallen davon oder ein Verlorenhaben des Weges.

Siehe dazu meine Lieder Abgrunds Wege, Erlösungswunsch und Dank in Leiden:



Abgrunds Wege




Erlösungswunsch (buddhistisch)




Dank in Leiden (christlich)


Im Folgenden ein (gekürzter) Auszug zu den Stufen der Dunklen Nacht aus dem Buch "Die Meisterung des Kerns der Lehre Buddhas" von Daniel Ingram:

Die Pforte zur Dunklen Nacht

(…) Ich beschreibe die Dunkle Nacht weitestgehend in extremen Ausdrücken, aber weiß, dass dies nur als Warnung, was möglich sein kann, gemeint ist, nicht als das, was nötig ist oder garantiert passiert. Wie zuvor sind diese Dinge auf Retreats wahrscheinlich intensiver und klarer, obwohl dafür diejenigen auf Retreat, die in der Lage zu praktizieren sind, auch wahrscheinlich sehr viel schneller Fortschritte machen werden. Auf der anderen Seite kann Praxis „im Alltag“ kraftvoll und sehr schnell sein. Diese Dinge sind eigenartig unvorhersehbar. (…)

Die Dunkle Nacht fängt typischerweise damit an, dass all die tiefe Klarheit, Achtsamkeit, Konzentration, Fokussiertheit, der Gleichmut und die Glückseligkeit (…) aufhören. (…)

Des Weiteren wird das Zentrum der Achtsamkeit das unklarste Gebiet der Erfahrung und die Peripherie wird vorherrschend. Das ist normal und wird von denen, die dieses Gebiet kennen, sogar erwartet. Jedoch die meisten Meditierenden erwarten das überhaupt nicht und fechten deshalb einen riskanten nutzlosen Kampf aus, um ihre Achtsamkeit etwas tun zu lassen, was auf diesem Teil des Pfades einfach nicht funktioniert.

Wenn jemand irgendwann einmal an einem Platz mit viel Mücken, die einem in einer Art um die Ohren summen, dass man sich schwer auf das Primärobjekt konzentrieren kann, meditiert hat, kann man eine Vorstellung davon haben, wie die Achtsamkeit in der Dunklen Nacht sein wird. Besser als dagegen anzugehen und die metaphorischen Mücken zu ignorieren, sollte man versuchen zu verstehen, wie es sich anfühlt, so eine Achtsamkeit zu haben. Es ist genauso wie das Hören von misstönendem chromatischem Jazz mit einer Menge von beißenden Harmonien und die Instrumente spielen mehr zerstritten miteinander als zusammen. Dies bedarf einiger Gewöhnung. Die Qualität der Achtsamkeit während der Dunklen Nacht ist Gewöhnungssache und die entstehenden Empfindungen tendieren dazu sehr reich, komplex, breit und unordentlich zu sein. Diejenigen, die darauf bestehen einspitzig zu bleiben, werden mehr leiden als diejenigen, die lernen, mit dem, was da ist, umzugehen, ungeachtet dessen, ob es sich wie „gute Meditation“ anfühlt oder nicht. (…)

Es gibt zwei grundlegende Dinge, die während der Dunklen Nacht passieren. Eine ist, dass unser dunkler Stoff an die Oberfläche hervorblubbert mit einem Druck und einer Intensität, die wir wohl niemals vorher erfahren haben. Sich daran zu erinnern, was gut in unserem Leben ist, kann angesichts dessen schwierig sein. Und unsere Reaktionen auf unseren dunklen Kram kann uns eine entsetzliche Menge an nutzlosen Leiden bescheren.

An der Spitze angelangt, beginnen wir auch direkt das grundlegende Leiden der Dualität zu erfahren, ein Leiden, das immer in uns war, aber welches uns nie mit solch einer Intensität bewusst war oder wir niemals so klar verstehen konnten. Wir stehen einer wesentlichen Krise unserer Identität gegenüber, da unsere Einsicht in die Drei Daseinsmerkmale anfängt, Teile der grundlegende Illusion, ein separates oder permanentes Ich zu sein, zu zerstören. Dieses Leiden ist von einer Art, die nichts mit dem, was in unserem Leben geschieht, zu tun hat, sondern alles mit dem grundlegendem Missverständnis von allem.

Die Behandlung jedes dieser beiden Themen, das heißt unser dunkler Stoff und unsere grundlegende Identitätskrise, wird ein schwieriges Unterfangen werden, aber zu versuchen beides zur gleichen Zeit zu behandeln, ist zumindest zweimal so schwierig und kann einen zerquetschen. Es ist klar, dass wir nicht in Bestform sind, wenn wir auf diese Art überwältigt werden.

Die automatische Reaktion ist oft, dass wir versuchen unseren Geist und unsere Welt so umzuformen, dass die Erfahrung des Leidens aufhört. Wenn wir uns jedoch tief in der Dunklen Nacht befinden, könnten wir sogar in einem Paradies leben und trotzdem würden wir nicht in der Lage sein dies zu würdigen und deshalb ist diese Lösung mit Garantie falsch. Deshalb ist mein strenger Rat daran zu arbeiten, diesen Zyklus der Einsicht schnell zu beenden und dann an eurem Stoff, von einem Platz der Einsicht und Balance aus zu arbeiten. Dies ist wesentlich besser als zu versuchen, dies während den reaktiven und desorientierenden Stufen der Dunklen Nacht zu tun. Ich kann diesen Punkt nicht stark genug betonen.

Ein naher Freund von mir mit einer Masse an Erfahrung bei der Einsichtspraxis und einer Gabe für präzise Sprache und Lehrfähigkeit sagt es so: “ Die Dunkle Nacht kann dein Leben richtig hundsmiserabel machen.“ Ich werde euch jedoch zwei hart erarbeitete Ratschläge geben, von denen ich weiß, dass sie den Ausschlag angesichts dieser Stufen geben.

Erstens nehmt euch Zeit grundlegende Einsichtspraxis auszuführen. Gebt euer Bestes, ausreichend Einsicht in die Drei Daseinsmerkmale zu bekommen, um diese Stufen hinter euch zu lassen! Nehmt euch Zeit für Retreats oder für euch allein und bleibt nicht in der Dunklen Nacht kleben. Ihr und jeder in eurer Umgebung wird glücklich darüber sein, wenn ihr das tut.

Der zweite Ratschlag ist eine „Nichtübertragungsversicherung“ zu haben, wenn ihr den Verdacht habt, in der Dunklen Nacht zu sein. Verweigert einfach, dass eure Negativität sich auf jeden und alles um euch herum überträgt. Ein Scheitern dessen kann katastrophal sein, da euer tiefer Mangel an Perspektive, die Fixiertheit auf die Negativität und das Leiden aus eurer grundlegenden Identitätskrise sehr leicht auf Dinge und Leute projiziert werden kann, die einfach nicht dieses Leiden verursacht haben! Niemanden interessiert das überhaupt und es ist, was es auch immer ist, nicht gut.

Wenn man diese beiden wichtigen Ratschläge kombiniert, entsteht diese Resolution: „Ich (…) reagiere eigenartig negativ auf Dinge, die ich gewöhnlich mit mehr Balance und Klarheit bearbeiten könnte und ich weiß, dass ein guter Teil davon aufgrund der (…) Dunklen Nacht geschieht. Ich sehe ein, dass ich in einer weniger idealen Situation bin, um persönliche Dinge, die mich verrückt machen, angemessen zu behandeln, da ich höchstwahrscheinlich Leiden von der Illusion der Dualität und den seltsamen Seiteneffekten der Dunklen Nacht auf diese Dinge projiziere.“

„Ich wurde von denjenigen, die dieses Gebiet erfolgreich passiert haben, gewarnt, dass dies eine extrem schlechte Idee ist. Und ich habe Vertrauen, dass sie wissen, wovon sie sprechen. Selbst wenn diese Dinge real und gültig sein sollten, werde ich sie höchstwahrscheinlich nur in einem keinen Verhältnis stehendem Sinn aufblasen und nicht in der Lage sein Balance und Freundlichkeit hineinzubringen. Durch Infizierung anderer mit meiner eigenen reaktiven Dunkelheit und Verwirrung, kann ich leicht mir selbst und anderen Schaden zufügen. Deshalb beschließe ich meine Dunkelheit für mich selbst zu behalten, nur mit denen zu sprechen, die fähig sind, in diesem dunklen Territorium zu navigieren oder es zumindest mit anderen so zu teilen, dass es sich nicht auf sie und meine Umwelt projiziert. Und deshalb werde ich diejenigen um mich herum mit meinem überflüssigen Leiden verschonen, da sie es nicht verdienen. In Kürze, ich werde die Meditations(…)theorie benutzen, um die Zügel meines dunklen Stoffes zu halten und ihn auf solche Weise behandeln, dass er anderen hilft, anstatt ihnen Schaden zuzufügen.“

„Ich werde mir Zeit nehmen für Einsichtspraxis und Retreats. Während dieser Zeit werde ich einfach die wahre Natur der Empfindungen, welche auch immer auftauchen mögen, beobachten, egal wie schrecklich oder zwingend sie sind und für keinen Augenblick nachgeben, im Inhalt meines Krams zu schwelgen, wenn es innerhalb der Grenzen meiner Stärke und Macht liegt. Auf diese Weise werde ich in der Lage sein diesen Bereich geschickt zu befahren und nicht meinen Alltag beschädigen. Sollte es mir Misslingen werde ich aktiv Hilfe bei denjenigen suchen, die befähigt sind, Leuten zu einer gesunde Perspektive angesichts der dunklen Themen zu verhelfen und zwar solange bis ich der Dunklen Nacht wie empfohlen gegenübertreten kann.“

„Wenn ich die erste Erleuchtungsstufe erreicht habe, wird dies eine großartige Zeit sein, um zu sehen, wie viel meiner Negativität real war und wie viel nur durch meinen Mangel an Klarheit und den Seiteneffekten der Dunklen Nacht verursacht wurde. Von diesem Ort der Klarheit aus werde ich höchstwahrscheinlich die Dinge in meinem Leben, die tatsächlich gelöst werden müssen und Aufmerksamkeit brauchen, viel besser behandeln können und leicht in der Lage sein, die scheinbaren Probleme, die ich selbst kreiert habe, loszuwerden. Indem ich nicht alles auf einmal versuche, das heißt, zuerst tiefe Einsicht gewinne, bevor ich meine persönlichen Angelegenheiten angehe, werde ich wahrscheinlich ein glücklicheres und vernünftigeres Leben führen. Das wünsche ich mir. Ich werde beides, befreiende Einsichten und Einsichten in meine Angelegenheiten, erhalten und dies wird zum großen Vorteil für mich und alle anderen Lebewesen sein.“

Einer der wichtigsten Gründe dieses Buch zu schreiben war diese bedeutende Resolution. Ich habe unnötig gelitten und manchmal sogar extrem, weil ich dies unterlassen habe und deshalb liebe ich es diese Resolution zu beachten. Ihr müsst das auch. Würdet ihr mich dies zu euch sagen hören, anstatt es nur zu lesen, würdet ihr die Tränen in meinen Augen sehen und meine Stimme voller Sorgen sprechen hören. Ich bitte euch zum Wohle allem, was gut ist in dieser Welt, unterlasst es nicht diesen Ratschlag zu beherzigen.

Unglücklicherweise scheint nicht jeder in der Lage dazu zu sein. Tatsächlich ist sogar nicht jeder gewillt zu versuchen diesem Ratschlag zu folgen. Besonders diejenigen, die das gefährliche Denkmuster besitzen: „Was auch immer ich gerade fühle, ist real“. In dem Sinne, dass ihr Gefühl in diesem Moment die einzig mögliche gültige Perspektive ihrer derzeitigen Situation ist und sie deshalb glauben, vollständig im Recht mit ihren Reaktionen auf dieses Gefühl zu sein. Es gibt solche, die einfach nicht glauben können, dass solch ein erstaunliches und heiliges Ding wie die Einsichtspraxis solch schwere Probleme bereiten kann. (…) Letztendlich gibt es ein paar Leute deren Stolz und Unsicherheit es ihnen nicht erlaubt, zuzugeben, dass sie durch die Dunkle Nacht in dieser Art und Weise berührt wurden.

Ich möchte diese Leute aufrufen, vor der Stufe der Dunklen Nacht zu verbleiben bis sie soweit sind zumindest einige Aspekte der obengenannten Resolution zu beherzigen oder den grundlegenden Gedanken dahinter anzuwenden. Das bedeutet, dass, wenn ihr nicht gewillt seid zumindest zu versuchen nach einer Version meiner empfohlenen Resolution zu arbeiten, ihr keine Einsichtspraxis ausüben solltet. (…)

Ich bin ein großer Fan von schnellen Sportwagen, aber ich würde so einen nicht an ein sechs Jahre altes Kind geben. Genauso bin ich ein großer Fan von Einsichtspraxis, logisch, aber ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass diejenigen, die nicht gewillt sind, sie verantwortlich und intelligent zu benutzen, sie nicht anwenden sollten, weil es zu gefährlich ist. Sie verursachen zu viel Ärger in der Welt wegen eines scheinbar kleinen Vorteils. Dies ist wahrscheinlich keine populäre Sichtweise, aber ich habe zu viel erfahren, was alles schief gehen kann, wenn Leute verfehlen zu versuchen die Erwartung einer solchen Resolution zu erfüllen und zu irgendeiner anderen Schlussfolgerung kommen. Diese Resolution und der darin liegende Gedanke sind ein Training in ethischem Verhalten und diese Art von ethischer Verantwortung ist einer unserer besten Freunde in der Dunklen Nacht. Wenn wir den Gedanken dieser Resolution annehmen, tun wir bewusst unser Bestes unseren Weg so freundlich und mit so viel Mitgefühl wie möglich zu gestalten. Viele Leute haben angemerkt, dass Einsichtspraxis eine klösterliche Übung ist. Wenn wir in der Lage sind unser eigenes virtuelles Kloster durch angemessenes Sprechen und Handeln zu bilden, dann brauchen wir kein echtes Kloster, um uns und die Welt vom Potenzial der Seiteneffekte unserer Praxis zu schützen. Wir können geschickt in der gewöhnlichen Welt leben und trotzdem mit der Einsicht vorankommen.

Jedoch gibt es auch solche, die gewillt sind den Gedanken und den inhärent innewohnenden Geist in der obigen Resolution anzunehmen. Aber sie sind so versumpft in ihren persönlichen Dingen, dass sie einfach den obengenannten Rat trotz ihrer gut gemeinten Vorsätze nicht befolgen können, nachdem sie in die Dunkle Nacht eingetreten sind. Mein Rat an sie ist, sich schnell und gründlich professionelle Hilfe zu suchen in Form eines Psychotherapeuten ihrer Kategorie, bis sie in der Lage sind eine Art der obengenannten Resolution zu beachten.

Realisiert bitte, dass dies nicht der optimale Weg ist, da der innewohnende Mangel an Perspektive in der Dunklen Nacht einige Aspekte des therapeutischen Prozesses schwieriger macht, aber für einige gibt es keine andere Option und diese Lösung ist besser, als zu zappeln. Auf der anderen Seite haben solche Leute Massen an Krams der lauthals aufsteigt. Diesen so zu behandeln, macht einige Aspekte des therapeutischen Prozesses einfacher. Ich würde jedoch versuchen zumindest so gesund zu sein, dass ihr wenigstens zur ersten Erleuchtungsstufe mit minimalen Blessuren durchkommt und dann erst den therapeutischen Prozess, den ihr eventuell in der dunklen Nacht angefangen habt, zu beenden. (…)

Kurz gesagt, wenn man in der Lage ist die Praxis beizubehalten und sich anstrengt, daran zu arbeiten die Dinge wieder klar wahrzunehmen, wird man weiteren Fortschritt machen. Dieses Mal wird die Anstrengung unsere Leuchte sein. Beachtet dies gut: Wenn ihr in den Stufen der Dunklen Nacht (…) aufgebt, werden die Eigenschaften der Dunklen Nacht euch fast sicher in eurem Alltag heimsuchen, eure Energie und Motivation schwächen und vielleicht sogar Gefühle wie Unbehagen, Depression oder sogar Paranoia auslösen. Deshalb ist der weise Meditierende sehr hoch motiviert seine Praxis beizubehalten trotz der möglichen Schwierigkeiten, um zu verhindern in diesen Stufen kleben zu bleiben! (…) Wenn jedoch die Wahrnehmung der (…) Dinge wieder klarer wird, dann entsteht…

Furcht

Die Klarheit und Intensität kehrt wieder, aber jetzt kann diese Stufe alle Arten von Angst machenden Verzerrungen der Wahrnehmung (…) erzeugen. Sie wird begleitet von starken Gefühlen an Unbehagen, Paranoia, Angst und/oder Angstschauern. (…) Seltsam, Furcht kann auch ein wenig verzücken, in etwa wie es ein Horrorfilm oder eine Achterbahnfahrt bei Nacht kann. Gleichzeitig erschreckend und aufregend. Jedoch wird die schöne Seite dieser Stufe bei weitem von der dunklen Seite überschattet. Unsere Aufgabe ist es hier, die volle Bandbreite des Lebens, so wie es ist, zu akzeptieren. Akzeptanz und klare, präzise Achtsamkeit der wahren Natur der tatsächlichen Empfindungen, die all dies ausmachen, ist der Schlüssel in allen Stufen der Dunklen Nacht, wie er es zuvor auch war. Die milde Seite dieser Stufe kann sich als ein leicht erhöhtes Gefühl von nicht spezifischer Angst manifestieren. Wenn die Furcht durchquert wurde (…) sind wir mit dem Gefühl von Elend alleingelassen.

Elend

Diese Stufe kann durch große Gefühle von Traurigkeit und Verlust charakterisiert sein. Man kann dieser Stufe wieder etwas Positives durch die Tiefe der Gefühle abgewinnen. Dies wird aber stark durch die dunkle Seite überschattet. Wir haben unsere gesamten Konzepte von Selbst und der Welt als beständig zu sein, fähig zu sein zufrieden zu stellen, und sogar dass wir sie sind oder das sie separat von uns ist, zerrissen und zerstört durch die unwiderlegbare Wahrheit der Drei Daseinsmerkmale. Es kann viel Trauer bei diesem Prozess geben. Dies ist hart zu akzeptieren und unser Widerstand gegen diesen Prozess verursacht unser Elend. Sich in den Inhalt dieser Gefühle zu verlieren und unfähig zu sein ihre wahre Natur zu sehen, ist gewöhnlich der Grund des Nichtweiterkommens und des nicht gesunden Weiterlebens. Auf der milden Seite fühlen wir uns ein wenig so, als wenn wir gerade geheult haben. Da die Dinge weiterhin einzeln wegfallen und klar ihre unbefriedigende Natur und ihre Selbstlosigkeit zeigen, kann dies Überdruss verursachen.

Überdruss

Wir werden angewidert von dem ganzen Ding. (…) Durchgehend ist in diesem Teil der Dunklen Nacht die Fähigkeit, ins Zentrum unserer Achtsamkeit zu sehen, schwach und wir können uns fühlen als wäre unser Geist weit gestreckt und zusammengezogen zugleich. Wir fangen an uns durch unseren lauten langweiligen Geist, durch einen Körper der voller Leiden und unangenehmer Empfindungen ist und einer Welt, die ständig wegfällt, komplett genervt zu fühlen (ein klassisches Zeichen dieser Stufe). Auf der milden Seite kann man sich nur leicht revoltierend fühlen und enttäuscht von der Realität im Allgemeinen sein oder vielleicht ein leicht gruseliges Gefühl von Gänsehaut haben. Auf der starken Seite sehen wir nichts, an dem wir anhaften könnten, kein Selbst wird gefunden und wir wünschen uns, dass dieses ganze nervös angespannte Ding einfach aufhört. Das wird auch…

Erlösungswunsch

genannt. Auf dieser Stufe haben wir genug von dem ganzen Ding, aber auf einem Level, der bloße Selbstmordgedanken übertrifft. Das ist tatsächlich vorteilhaft, obwohl es anders aussieht. Nicht suchen wir länger nach irgendetwas anderem, als nach dem vollständigen Ende aller Gefühle, das heißt dem ersten Geschmack von Nirvana. Wir wünschen uns nur, dass der Lärm in unserem Geist sofort aufhört, sind aber nicht in der Lage, dass dies geschieht. (…) Wenn wir diesen Schmerz nicht mit tief endender Einsicht, sondern stattdessen mit Veränderungen in unserem Alltag assoziieren, werden wir wahrscheinlich weit und lang herumziehen, bis wir an die Grenze der alltäglichen Lösungen kommen und dann erst ersteres realisieren.

Dies ist die Stufe, wo die Leute oft ihren Job aus Frustration aufgeben und auf ein langes Retreat gehen oder sich auf die spirituelle Suche machen. Faszination über das Zölibat als wäre es irgendein „höherer spiritueller Pfad“ kann entstehen. Unser Entsagungstrip kann sehr desorientierend für unseren Partner sein, besonders wenn wir zum gegenteiligen Extrem intensiver Sexualität (…) kommen. Deshalb versucht einfühlsam den Bedürfnissen eures Partners gegenüber zu sein. Irgendwo hier kann die Tendenz entstehen, das Leben und die Finanzen in Ordnung zu bringen, sodass man die Welt für eine Zeit hinter sich lassen kann und trotzdem noch etwas zum zurückkehren hat, aber ohne sich eine Zeit lang darüber Sorgen machen zu müssen. Ein starker vorwärts treibender Entschluss kann auf dieser Stufe entstehen, angetrieben von der machtvollen Frustration und dem machtvollen Mitgefühl in ihr. Wir machen den letzten Stoß zur Freiheit, den Stoß gegen die scheinbar undurchdringliche Mauer der…

Reflexion

Diese Stufe hört sich nicht an wie ein großes Problem, da sie einen sich so langweilig anhörenden Namen hat. Aber diese Stufe ist oft, obgleich nicht immer, wie eine Steinmauer, besonders die ersten paar Male, wenn wir es mit ihr zu tun haben. Es kann sich so anfühlen, als wenn sich alle Stufen der Dunklen Nacht wieder versammeln für eine letzte wichtige Lektion, die Lektion des Wiederbetrachtens, Reflektierens. Wir müssen alle unsere Ideen der Perfektion, alle Ideale, an denen wir haften, alle Bilder, wie die Welt sein sollte und wie sie nicht sein sollte, alle Wünsche, dass irgendetwas anders ist als es ist, fallen lassen. Auch den Wunsch nach Erleuchtung, der nichts anderes ist, als genau dies, müssen wir gehen lassen (d. h. „die wahre Natur davon erkennen“). Es scheint unmöglich auch nur für eine Minute zu sitzen, da die Erfahrung von Rastlosigkeit und Aversion in allen Graden gegen die Meditation sehr hoch sein kann. (…) Das Weitermachen mit der Untersuchung der wahren Natur dieser Art an Empfindungen ist oft schwierig und das ist die gewöhnliche Ursache des Mangels an Fortschritt.

Jetzt werde ich über alle Arten von emotionalen Problemen oder psychologischen Manifestationen sprechen, die auf dieser Stufe manchmal erscheinen können. Je extremer die Beschreibung eines möglichen Seiteneffektes dieser Stufe, desto seltener tritt er auf, besonders diejenigen, deren Beschreibung sich nach Geisteskrankheit anhört. Für jemanden, der sich auf der Stufe der reinen sinnlichen Erfahrung befindet, was ich stark empfehle, ist die einzige schwierige weit verbreitete Manifestation ein starkes Gefühl der Aversion gegen formale Meditation und Erfahrung und ein tiefes Gefühl von uranfänglicher Frustration, obwohl dies schnell abfällt angesichts guter Praxis. Dies geschieht aufgrund der Tatsache, dass (…) der Lärm in unserem wiederholenden Geist sehr irritierend ist. Einige meiner eigenen Beschreibungen dieser Stufe, während ich auf Retreat war, beinhalteten solche Phrasen wie: „Geiststurm“ und „ein erfrischendes Werk in D Moll für sechs Sinnestore, Hagelsturm und stotternde Loreleyen/Sirenen.“ Wenn wir sehr starke Meditierende sind, können wir uns buchstäblich fühlen, als würden wir in Stücke gerissen werden und das ist auch genau das, was wir versuchen zu erreichen. Auch wenn andere seltsame Erscheinungen entstehen, wenn wir gut praktizieren, werden sie nicht lange andauern, bestenfalls Minuten, schlechtestenfalls Stunden oder Tage.

Ihr seht, die Stufe „Reflexion“ ist tatsächlich Schall und Rauch und hat keine Substanz. Sie ist wie ein zahnloser Hund mit einem furchterregenden Maul. Wenn ihr schreiend wegrennt oder ohnmächtig werdet, wenn der Hund bellt, dann braucht er keine Zähne, um euren Fortschritt zu behindern. Dies ist ein erster Hinweis darauf, dass die negativen Seiteneffekte, die während der Dunklen Nacht auftauchen können, tatsächlich nicht mit den Einsichtsstufen verbunden sind, sondern dass sie aufgrund anderer Prozesse entstehen. Sie haben auch kein Veränderungspotenzial, ob man mit der Praxis ganz aufhört oder mit der starken und annehmenden Untersuchung fortfährt. Das sei gesagt.

Diese Stufe wird manchmal „das Aufrollen der dunklen Stufen“ genannt und viele, die (…) in ein Kloster gegangen sind, geben jetzt auf und legen die Robe ab. Es kann ein klares Gefühl entstehen, dass es unmöglich ist vorwärts zu gehen und unmöglich zurück, was auch genau die Lektion ist, die man lernen soll. Akzeptieren des Hier und Jetzt wird benötigt, sogar wenn es scheint, dass dieser Geist und dieser Körper komplett unakzeptabel und unwert zum Untersuchen sind. Keine Empfindung ist es nicht Wert, untersucht zu werden!

Eines der Kennzeichen des frühen Teiles dieser Stufe ist, dass wir anfangen klar zu sehen, was unser Geist den ganzen Tag macht. Wir sehen sogar mit großer Klarheit, wie die Illusion des dualistischen Spaltes am Ursprungsort, Empfindung für Empfindung, von Moment zu Moment, erzeugt wird. Aber irgendwie gibt es noch nicht genug Raum für eine Perspektive und genug Gleichmut, um aus dieser Information brauchbaren Nutzen zu ziehen. Das kann sehr frustrierend sein, weil wir uns fragen, wie oft wir diese Lektion noch zu lernen haben, bis sie sitzt.

Große Gefühle der Frustration und der Ernüchterung mit dem Leben, den Beziehungen, Sex, Jobs, dem Moralkodex und „weltlichen“ Verantwortlichkeiten können manchmal auf dieser Stufe auf solche Weise entstehen, dass alle Arten von Störungen und Ängsten aufkommen. Diese Lebensaspekte können auf dieser Stufe temporär langweilig und sinnlos erscheinen, obwohl man aber denkt, dass diese Art darüber zu urteilen, für immer so bleiben wird. Diese Stufe kann so aussehen wie eine Depression oder sich sogar bis zu einen gewissen Grad zu einer klinischen Depression manifestieren. Seht euch davor vor radikale Lebensveränderungen, die nicht leicht zurückgenommen werden können (z. B. Scheidung), aufgrund der zeitweiligen Gefühle dieser Stufe zu machen. Für diejenigen, die erkennen, dass sie sich auf dieser Stufe befinden, können einige Arten von aktiver geistiger Kompensation wegen dieser Seiteneffekte hilfreich sein, sodass man sein Leben funktionsfähig erhält. Es kann helfen, zumindest mehr „zusammen“ zu erscheinen als man sich fühlt und so die Beziehungen, den Job, das Studium etc. auf einem funktionierenden Level erhalten. Es kann sehr hilfreich sein, wenn dies auch mit einer Praxis, die erlaubt, dass diese Erfahrungen dieser Stufe beachtet und gut verstanden werden, kombiniert wird.

Schichten von nicht hilfreichen vorherigen versteckten Erwartungen, Druck und Angst können ihre wahre Nutzlosigkeit zeigen, obwohl dieser nützliche Prozess sehr verwirrend und schwierig sein kann. Wir meinen eventuell, dass wir niemals solch starke Gefühle in unserem Leben gehabt haben und bis wir uns an diese neue Bewusstheit unserer früheren subtilen Emotionen gewöhnt haben, kann diese Stufe einen völlig überwältigen. Gelegentlich können die Leute auch etwas haben, dass während dieser Phase aussieht wie ein voller psychotischer Schub, obwohl dies, wenn es wirklich ein Seiteneffekt der Einsichtspraxis sein sollte, schnell wieder aufhören müsste. Der große Trick ist hier, mit der Achtsamkeit fortzufahren und den Inhalt zu akzeptieren, aber auch damit weiter zu machen die wahre Natur der Empfindungen, die diese natürlichen Phänomene ausmachen, zu betrachten. Dies kann sehr hart sein, besonders wenn sich Leute auf diese Stufe gewagt haben, ohne den Vorteil der Führung einer gut entwickelten Einsichtstradition und Lehrern, die dieses Gebiet kennen.

Diejenigen, die nicht wissen, was sie mit dieser Stufe machen sollen oder die durch die Geisteszustände überwältigt werden, können so im Inhalt verloren gehen, dass sie anfangen sich zu verlaufen. Dies ist das eine Extrem von dem, was auf dieser Stufe passieren kann. Furcht ist gruselig, Elend ist miserabel und die scheinbar psychotischen Schübe sind verwirrend und destabilisierend. Angesichts solcher Erfahrungen können wir zum anderen Extrem ausschlagen, indem wir sehr stark an grandiosen Bildern von uns selbst hängen. Diese Dinge können sich leicht verselbstständigen und zu einer hervorstechenden destruktiven geistigen Gewohnheit werden, wenn die Leute darauf bestehen, in diesen dunklen Emotionen und ihren tiefen und ungelösten Problemen zu lange zu schwelgen. Das kann wie eine geistige Umstrukturierung aus der Hölle sein. Wenn der Inhalt weiter erhascht wird, ohne die Fähigkeit seine wahre Natur zu erkennen, kann der Geist sich immer weiter abwärts in Richtung Wahnsinn und Verzweiflung bewegen. Wenn die Leute meinen, sie hätten „ihren eigenen Wahnsinn“ auf dem spirituellen Pfad berührt, reden sie oft über diese Stufe. Diese Stufe kann die Leute klaustrophobisch und nervös machen. Wenn sie sich anstrengen, um Fortschritte zu machen, können sie sich fühlen, als wenn sie nur noch angespannter und nervöser werden. Wenn sie nichts tun, leiden sie sowieso weiter.

Der Rat ist hier: Bleibt am Ball, aber versucht nichts zu forcieren. Passt darauf auf Energie und Akzeptanz zu balancieren. Erinnert euch, dass Vorsicht besser ist als Heldenmut. Moderate Praxis als auch eine langfristige Sichtweise im Auge zu behalten, kann hilfreich sein. Denkt euch die Übung als lebenslange Bemühung, aber macht jeden Tag nur das, was ihr könnt. Bleibt gegenwartsorientiert. Spaziergänge in der Natur mit großen weiten Aussichten können, wie auch das Praktizieren, helfen. Diese Stufe hat die Macht uns vollständig zu reinigen, indem sie uns genügend nötigt mit ihr klar und präzise auszuharren und trotz des Schmerzes, der Qualen, physisch und psychisch, die sie mit sich bringen kann, dies alles zu akzeptieren.

Diese Stufe ist tatsächlich eine ernsthafte Gelegenheit klar den Schmerz der dualistischen Aspekte unserer Anhaftungen, Aversionen, Wünsche, Hoffnungen, Befürchtungen und Ideale zu sehen, da all dies zu einem beispiellosen Grad verstärkt wird. Es ist diese Stufe, die den heldenhaften Pfad möglich macht (eifrige Untersuchung dieser Momente basieren auf dem machtvollen Wunsch nach Erleuchtung), da auf dieser Stufe all die unfähigen Aspekte des Erleuchtungswunsches im Meditierenden mit einer Kraft, die ähnlich wie die der von ihr verursachten Leidensstärke ist, vernichtet werden. Ihr könnt tatsächlich hier sehr weit mit einer zielorientierten aber hoch unbalancierten Praxis kommen, wenn ihr euch anstrengt. So erhaltet ihr ausreichend Schwungkraft und Meditationsfähigkeiten, damit ihr schnelle Fortschritte macht.

Nochmal, der Meditierende, der hier mit der Praxis aufhört, kann stecken bleiben und häufig von dieser Stufe das ganze Leben solange heimgesucht werden, bis er diese Einsichtsstufe komplettiert hat. Der Mangel an Praxis beraubt ihn nur der grundlegenden Vorteile dieser Stufe. Dies sind die erhöhten Wahrnehmungsfähigkeiten, die ihm erlauben, diese besondere Einsicht an erster Stelle zu erlangen und die Möglichkeit sie hinter sich lassen zu können. Die emotionalen Konsequenzen können noch lange nachwirken, nachdem diese Meditationsfähigkeiten schon verschwunden sind.

Man kann ein „Chronischer Dunkle Nacht Yogi“ werden. Ein Meditierender, der irgendwie lange Zeit nicht begreifen will, wie man diese Stufe hinter sich lässt. Ihr würdet erstaunt sein, wie viele Leute es davon gibt. Ihr Mangel voranzukommen kann an ihrem psychologischen Make Up, schlechter Anleitung, der Vorstellung, dass das spirituelle Leben nur Seligkeit und wunderbare Emotionen hat, durch Glauben an absurde spirituelle Modelle, die nicht die volle Bandbreite des emotionellen geistigen Lebens erlauben liegen oder daran sich auf diese Stufe zu wagen außerhalb einer gut entwickelten Einsichtstradition, was genau das ist, was mir im Alter von 15 Jahren passierte. Ich war ein „Chronischer Dunkle Nacht Yogi“ über 10 Jahre lang, ohne irgendeine Vorstellung davon zu haben, was zur Hölle mit mir los war. Deshalb kann ich über dieses Thema mit gewisser Verlässlichkeit berichten.

Weiterhin bin ich durch unzählige andere Dunkle Nächte auf den höheren Stufen des Erwachens gegangen und begegnete denselben Themen immer wieder. Festzustecken in der Dunklen Nacht kann irgendwo von leichter Depression und freifließender Angst angefangen bis zu ernster täuschender Paranoia und anderen Arten von Geisteskrankheiten z. B. Narzissmus und Größenwahnsinn (mein persönlicher Favorit) führen. Man kann mit einer seltsamen Mixtur von engagierter Spiritualität und Dunkelheit agieren. (…)

Wir haben alle unsere eigenen besonderen neurotischen Tendenzen, die hervortreten, wenn wir uns im Stress befinden, aber wenn ihr fühlt, dass ihr wirklich verloren geht, holt Hilfe, besonders von denjenigen, die dieses Gebiet aus erster Hand kennen! Seid keine Macho-Meditierenden und bleibt stecken und stellt euch nicht vor, dass spirituelle Praxis nicht solche wilden und manchmal unangenehmen Seiteneffekte haben kann. Einer der größten Vorteile mit einem gründlich qualifizierten und verwirklichten Einsichtsmeditationslehrer zusammen zu arbeiten, bevor wir in diese Art von Schwierigkeiten geraten ist, dass sie jetzt eine Vorstellung von unserem grundlegenden Niveau an Vernunft und Balance haben und wissen, wozu wir in der Lage sind. (…)

Ich denke, dass es weniger Probleme mit „Chronischer Dunkle Nacht Yogis“ dort geben wird, wo die Karten, dessen, was auf diesem Gebiet passieren kann, gut bekannt sind und in der es Lehrer gibt, die sehr zugänglich und aufrichtig im Bereich der menschliche Natur und der möglichen Bandbreite des spirituellen Terrains sind.

Auf der anderen Seite können manchmal echte Geisteskrankheiten oder emotionale oder psychologische Schwierigkeiten im Leben der Leute hervorbrechen. Die ganze Schuld der Dunklen Nacht zu geben ist nicht immer akkurat oder hilfreich, obwohl, wenn ihr (…) den Einsichtszyklus nicht abgeschlossen habt oder in die nächste Stufe (Gleichmut) gelangt seid, gibt es immer etwas Dunkle Nacht Komponente, die sich mit dem mischt, was auch immer sonst vorgeht.

Meditationstraditionen neigen dazu Probleme anzuziehen, die nach mehr aussehen als ihr eigener gerechter Anteil an spirituellen, emotionalen und geistigen Verwundungen. Aussortieren, was nun was ist, kann manchmal schwer sein und man kann Hilfe von beiden, denjenigen, die das Einsichtsterritorium kennen, und denjenigen, die routinemäßig geistige Krankheiten und psychologische Schwierigkeiten behandeln, gebrauchen.

Die beste Kombination würde jemand sein, der beides kennt. Ich habe einen sehr erleuchteten Freund, der herausgefunden hat, dass es sehr nützlich ist, Medikamente für seine Bipolar-Disorder zu nehmen. (…) Diese Praktiken werden uns nicht vor unserer Biologie retten. Sie enthüllen nur etwas in ihrer Beziehung zu ihr.

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die so tief indoktriniert durch Modelle des „Durcharbeitens“ unseres „dunklen Stoffes“ sind, dass, wann immer er hochkommt, sie zur Psychotherapie gehen oder zu einem anderen Weg wechseln, um ihre Probleme wegzukriegen oder zu „lösen“. Diese Sicht deutet auf irrige Festigkeit und eine übertriebene Wichtigkeit gegenüber diesen Dingen hin, was es sehr schwer machen kann, die wahre Natur der Empfindungen, die sie entstehen lassen, zu erkennen. Die Falle hier ist, dass wir die grundlegende Krise der fundamentalen Identität in eine Hexenjagd unserer spezifischen Dinge in unserem Leben, von denen wir denken, das sie es sind, die uns unbefriedigt mit unseren Basiserfahrungen sein lassen, verdrehen. Wenn jemand zu dieser Stufe der Praxis gekommen ist, wird kein herumbasteln an Lebensdetails jemals dieses fundamentale Thema lösen können.

Das heißt nicht, dass einiges Unzufriedensein mit spezifischen Aspekten unseres Lebens keine Gültigkeit hat. (…) Jedoch werden diese zusammenhängenden Themen gemischt mit einem weit tieferen Thema, dem, was wir sind und was wir nicht sind. Und solange dieser Fortschritt der Einsicht noch bearbeitet wird, wird diese Mixtur dazu neigen unsere Kritik solcher Dinge in unserem Leben, die eigentlich tatsächlich für Verbesserung und Leistung stehen, überzubewerten. Diese Lektion zu lernen, kann für einige Leute sehr hart sein und die dunkle Ironie ist, dass sie ihre Beziehungen, Karriere, Finanzen als auch ihre emotionale und physische Gesundheit zerstören, bei dem Versuch von ihrem hohen Level an Einsicht in die wahre Natur der Dinge wegzukommen. Und solange bis sie gewillt sind auf einem direkteren sensuellen Level zu arbeiten, gibt es keine Grenze der Menge an Angst und Negativität, die sie auf ihre Welt projizieren können. Ich habe dieses Spiel immer wieder gesehen bei mir selbst und den Leben meiner Dharma-Freunde. Es kann ein sehr hässliches Geschäft sein.

Mein Rat für solche Situationen ist dieser: Wenn ihr nach einer sorgfältigen Analyse eurer Einsichtspraxis zum Ergebnis kommt, dass ihr euch in „Reflexion“ befindet, dann entschließt euch euer Leben nicht durch exzessive Negativität zu zerstören! Entschließt euch dazu häufig und stark. Folgt eurem Herzen so gut ihr könnt, aber versucht euch selbst und der Welt so viel nutzloses Leiden wie möglich zu ersparen. Reißt euch durch absolute Willenskraft zusammen, bis ihr bereit seid, eure sinnlich wahrgenommene Welt direkt und ohne Betäubung oder Panzer zu ertragen. Ich habe gesehen, was passiert, wenn Leute es nicht tun und bin zur Schlussfolgerung gekommen, dass es im Allgemeinen sehr schlecht läuft, wenn Leute diesem Ratschlag nicht folgen, obwohl auch etwas unerwartet Gutes immer aus solchen Situationen resultieren kann.

Das System der Drei Trainings und die drei Arten des Leidens, jede innerhalb ihres Spielraumes können hier auch nützlich sein. Leute sind generell nicht gewöhnt, fundamentale Identitätskrisen, das grundlegende Thema bei der Reflexion, zu ertragen. Sie sind nicht erfahren im Schmerz des grundlegenden Leides. Und da sie es nicht sind, werden sie sich wahrscheinlich vorstellen, dass es in Wirklichkeit Leiden sei, das durch Dinge der gewöhnlichen Welt produziert wird. Wenn ihr jedoch zur „Reflexion“ gekommen seid und diese Techniken bis jetzt effektiv fandet, habt Vertrauen, dass der nun verbleibende Rat von Wert sein könnte und versucht diesen Teil des Weges zu absolvieren. Das heißt, wenn ihr in „Reflexion“ seid, ist die Aufgabe, die euch gegenübertritt, das grundsätzliche Leiden, das ihr jetzt all zu gut kennt, von den Spezifika eures gewöhnlichen Lebens zu trennen.

Diesem Rat zu folgen, mag sich für einige Leute gefährlich, herzlos oder bizarr anhören. Dies ist eine berechtigte Kritik. Im idealen Falle müssen wir nicht herumlaufen und uns im Nachhinein kritisieren, wie ich es hier befürworte. Im idealen Falle, können wir wirklich unseren Psycho-Trip zusammen haben, bleiben bei der Praxis während dieser Stufen und passieren die Dunkle Nacht schnell und beenden so diesen Praxiszyklus. Es kann definitiv so getan werden.

Jedoch sind wir nicht immer ideale Praktizierende und so verursacht die Dunkle Nacht oft die obenerwähnten Probleme, die irgendwie behandelt werden müssen. Meine Lösungen, was zu tun ist, wenn wir Einsichtspraxis nicht tun können oder wollen angesichts der Dunklen Nacht, sind auch nicht ideal. Die Ergebnisse sind wahrscheinlich über kurz oder lang aber gesünder als diejenigen, die einfach zügellos Dunkle Nacht Auswüchse geschehen lassen. Merkwürdigerweise bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass einfaches Praktizieren oft viel einfacher ist, als die Dunkle Nacht Auswüchse zu stoppen, wenn wir nur gewillt sind, es zu versuchen, obwohl es uns anders erscheint. Die alte Kindergartenregel: „Folgt den Anweisungen, spielt gut mit den anderen“, ist ein wertvoller Standard in der Dunklen Nacht.

Wenn man die Negativität und Reaktionen in der Dunklen Nacht nicht zügelt, ist es ein bisschen so als wäre man stinkbetrunken und würde so zur Hauptverkehrzeit Autofahren, statt besser einfach abzuwarten, bis man wieder nüchtern ist. Nicht mit der Einsichtspraxis weiterzumachen, ist wie in die Chirurgie zu gehen, eine Operation anzufangen, einige Eingriffe vorzunehmen und dann auszuflippen, wenn der Patient nun eine starke Blutung hat und vom Operationstisch wegzurennen und ihn in seinem Leiden alleinzulassen. Ihr könnt euch viel überlegen, um den Patienten glücklich zu machen und alles ausprobieren, aber bis ihr nicht seine Wunde wieder vernäht habt, wird er stinksauer sein. Unglücklicherweise seid ihr in diesem Falle beide, Operateur und Patient. Tretet der Wunde gegenüber und schließt sie. Da ihr soweit gekommen seid, habt ihr natürlich auch die Fähigkeiten dazu. Benutzt sie. Die Operation ist fast vorbei.

Es gibt auch diejenigen, die versuchen, die wahre Natur ihrer psychologischen Dämonen und ihrer Lebensgeschichte zu untersuchen, sich aber so sehr auf das Verständnis dieser fixieren, um sie wegzukriegen, dass sie verfehlen diese Dinge in einem weiten, realistischeren und angemesseneren Rahmen zu sehen. Diese feine Trübung der Einsichtspraxis bringt sie in eine Form der Verweigerung anstatt zum Pfad des Erwachens. Indem sie Parallelen von der Tagesordnung des ethischen Trainings ziehen, wo es angemessen ist, sich mit speziellen Gedanken und Gefühlen, die unsere Erfahrung ausmachen, auseinander zu setzen, verfehlen sie Fortschritte bei der Einsicht zu machen, da hier die Tagesordnung ist, einfach die wahre Natur aller Empfindungen, so wie sie sind, zu sehen. Beides ist wichtig, aber alles zu seiner Zeit.

Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass, mit sehr seltenen und flüchtigen Ausnahmen, 95% der Empfindungen, die unsere Erfahrung ausmachen, wirklich überhaupt kein Problem sind. Sogar in den harten Stufen. Aber dies klar zu sehen, ist nicht immer einfach. Wir neigen dazu, uns auf starke Empfindungen, wenn sie entstehen, zu fixieren. Auf die, die sehr schmerzhaft oder sehr angenehm sind, und zu diesen Zeiten vergessen wir die Tatsache, dass das meiste unserer Realität wahrscheinlich aus Empfindungen zusammengesetzt ist, die keine große Sache darstellen. Dies verursacht viele gute Gelegenheiten für leichte Einsichten. Des Weiteren kann die Dunkle Nacht alle Sorten von unbekannten Gefühlen hochholen, die wir sehr selten oder noch nie mit so einer Klarheit und Intensität verspürt haben. Bis wir uns an diese Gefühle gewöhnt haben, können sie uns durch unsere Unerfahrenheit mit ihnen, sogar wenn sie tatsächlich nicht so stark unangenehm sind, erschrecken und uns zum Reagieren zwingen.

Ich empfehle sehr körperliche Empfindungen, wie z. B. die des Atems, als infrage kommendes Objekt während der Dunklen Nacht, wann immer möglich, zu benutzen, anstatt in den emotionalen Inhalt zu tauchen. Sogar wenn man die Intension hatte, ihn zu untersuchen, da dies manchmal ein sehr harter Weg sein kann. Erinnert euch, ob wir Einsicht durch die Untersuchung von körperlichen oder geistigen Objekten bekommen, ist vollkommen irrelevant. Einsicht ist Einsicht. Wählt, wann immer möglich, Objekte für die Untersuchung, von denen ihr nicht gefangen genommen werdet. Das beste an der Realität ist, dass ihr immer nur eine kleine flackernde Empfindung zur Zeit behandeln müsst. So mit der Einsichtspraxis weiterzumachen, ist eine außergewöhnlich gute Idee. Gebt acht, was vor euch ist, aber haltet eure Achtsamkeit auch offen.

Trotz all dieses unheimlichen Stoffes gibt es Leute, die (…) geradewegs durch die ganze Dunkle Nacht in weniger als nur ein paar Minuten oder Stunden laufen und es fast überhaupt nicht bemerken. Deshalb lasst euch durch meine Beschreibungen dessen, was manchmal passieren kann, nicht zu der Vorstellung veranlassen, dass die Dunkle Nacht ein riesiges Problem sein muss. Sie ist es nämlich normalerweise nicht. Diese Beschreibungen, was manchmal passieren kann, sind bloß dazu da, denen zu helfen, die auf diese Art von Problemen stoßen, damit sie wissen, dass diese Dinge passieren können und so besser in der Lage sind, mit ihnen fachgerecht umzugehen. Es gibt keine Medaillenverleihung für eine besonders harte Zeit in der Dunklen Nacht oder für das Verbleiben in ihr länger als nötig.

Eine der bizarreren Fallen, in die wir während der Dunklen Nacht stolpern können, ist, sich mit der Rolle des „Großen Spirituellen Nervenbündels“ zu identifizieren und fasziniert davon zu sein. „Ich bin so spirituell, dass mein Leben eine nichtendenwollende Katastrophe von unkontrollierbaren Einsichten, störenden und launischen Verzückungen und konstanten emotionalen Krisen von meist tiefer Natur ist. Meine spirituellen Fähigkeiten sind bewiesen und nachgeprüft durch das Durcheinander, dass ich in meinem Leben anstelle. Wie mutig ich mein Leben auf diese Weise versaue! Oh, was für ein ruhmreiches und heiliges Wrack ich bin.“ Beides, meine Sympathie und Intoleranz für diejenigen, die in dieser Falle sitzen, ist im direkten Zusammenhang mit der Menge an Zeit, die ich selbst in dieser Falle verbracht habe, und wie sie war. Wobei wir nicht versuchen sollten vorzugeben, dass die Dunkle Nacht aus uns kein Nervenbündel gemacht hat, wenn sie es tat. Wir sollten weder im Nervenbündelsein schwelgen, noch die Dunkle Nacht als Entschuldigung für nicht so freundlich und funktionierend, wie wir möglicherweise sein könnten, zu benutzen.

Auf dem einen oder anderen Wege, wenn wir letztendlich aufgeben und in den Dingen, so wie sie sind, ruhen, ohne sie verändern zu wollen oder sie zu sein, das heißt starke Akzeptanz unserer tatsächlichen Menschlichkeit als auch Klarheit über die Drei Daseinsmerkmale der geistigen und körperlichen Phänomene zu haben, entsteht ...

Gleichmut

Letztendlich fangen wir an tatsächlich zu verstehen und kapitulieren zur Wahrheit der Dinge. Wir akzeptieren die Wahrheit unseres tatsächlichen menschlichen Daseins, wie es sie auf einem tiefen Level gibt. All der „Stoff“, den die Dunkle Nacht hervorgebracht haben mag, geht noch weiter, aber irgendwie hat er seine Fähigkeit, Ärger zu verursachen, verloren. Gleichmut ist viel mehr etwas in der Beziehung zu den Phänomenen als irgendetwas spezifisches der Phänomene selber. Gleichmut kann eine Art harten Start haben, reichlich eigenartige als auch einige schwache, schmerzhafte und irritierende Empfindungen, aber der Meditierende fühlt, dass eine Barriere endgültig durchbrochen wurde, eine Belastung wurde entfernt und die Praxis kann weitergehen.

Ein Erleben der Dunklen Nacht habe ich im Buch lebenszeit - die überwin-dung der depression durch einsicht in die selbstlose bedingtheit des seins festgehalten.

Tabelle der 17 Einsichtsstufen nach Mahasi Sayadaw (die Stufen 5 bis 10 bezeichnen die hier beschriebene Dunkle Nacht). Hier als Poster.